Genuss

Wie ein Aperitif die sensorische Wahrnehmung von Speisen verändert

Ein Aperitif gilt traditionell als Auftakt eines Essens – doch aktuelle Forschung legt nahe, dass er mehr ist als ein kulturelles Ritual. Eine Studie von Juravle, Spence et al. (2025) zeigt, dass moderate Mengen Alkohol, z. B. als Aperitif genossen, die sensorische Wahrnehmung von Speisen gezielt beeinflussen können. 

Am Beispiel von Tomatensuppe wurde deutlich: Wer zuvor einen Aperitif konsumiert hatte, bewertete das Gericht als intensiver, harmonischer und insgesamt angenehmer. Wie wurde das untersucht? Insgesamt nahmen 257 Personen im Alter zwischen 18 und 69 Jahren an der Studie teil. Sie bekamen eine Tomatensuppe serviert – entweder heiß oder kalt – und bewerteten diese nach verschiedenen Kriterien. Ein Teil der Gruppe erhielt zuvor einen alkoholischen Aperitif, der andere nicht. Anschließend wurden Geschmack, Textur, Frische, Intensität und das allgemeine Gefallen abgefragt. Auch sollten die Teilnehmenden angeben, welche Geschmacksnote (z. B. süß, sauer oder umami) für sie im Vordergrund stand. Das Ergebnis: Die Gruppe mit Aperitif nahm das Gericht insgesamt als intensiver wahr und bewertete sie häufiger positiv.

Tomatensuppe Aperitif

Wie lassen sich diese Effekte erklären?

Diese Effekte lassen sich durch mehrere miteinander verknüpfte Mechanismen erklären: Erstens beeinflusst Alkohol die zentrale sensorische Verarbeitung im Gehirn. Bereits geringe Mengen modulieren neuronale Aktivitäten in Arealen, die für Geschmack, Geruch und Belohnung zuständig sind. Dadurch kann es zu einer verstärkten Integration multisensorischer Reize kommen – ein Phänomen, das insbesondere in der Forschung zur multisensorischen Geschmackswahrnehmung beschrieben wird.

Zweitens wirkt Alkohol auf die Wahrnehmungsschwelle sensorischer Reize. Geringe Alkoholmengen können die Empfindlichkeit gegenüber bestimmten Geschmacks- und Aromakomponenten erhöhen, insbesondere in der retronasalen Geruchswahrnehmung. Diese ist entscheidend für den Gesamteindruck des Geschmacks, da ein großer Teil dessen, was wir als „Geschmack“ wahrnehmen, tatsächlich auf Geruch basiert.

Drittens spielt die psychologische Komponente eine zentrale Rolle. Ein Aperitif beeinflusst Erwartungen und lenkt die Aufmerksamkeit gezielt auf das bevorstehende Essen. Gleichzeitig kann eine leicht entspannende Wirkung dazu beitragen, dass sensorische Eindrücke intensiver und positiver erlebt werden.

Darüber hinaus beeinflusst Alkohol auch physiologische Prozesse wie die Speichelproduktion und die Durchblutung der Schleimhäute. Diese Faktoren können die Freisetzung und Wahrnehmung von Aromastoffen zusätzlich unterstützen.

Entscheidend ist jedoch das Maß: Die beschriebenen Effekte treten bei moderatem und maßvollem Konsum auf. Große Mengen Alkohol führen dagegen häufig zu einer verminderten sensorischen Differenzierungsfähigkeit und können die Genussqualität eher beeinträchtigen.

Tipps für den maßvollen Genuss:

  • Ein Aperitif, maßvoll genossen, kann helfen, den Genuss einer Mahlzeit zu intensivieren.
    Getränken.
  • Qualität ist wichtiger als Quantität: Eine geringe Menge genügt, um die beschriebenen Effekte zu erzielen.
  • Der Aperitif sollte als Teil eines Rituals verstanden werden, das den Übergang in den Genussmoment markiert.
  • Bewusste Aufmerksamkeit auf Aromen und Geschmack verstärkt die Wirkung zusätzlich.
  • Übermäßiger Konsum hingegen kann die positiven Effekte ins Gegenteil verkehren.
  • Kombinieren Sie zu einer Mahlzeit am besten alkoholhaltige mit nichtalkoholischen Getränken.
  • Sollten Sie bewusst auf alkoholhaltige Getränke verzichten, gibt es inzwischen viele attraktive alkoholfreie Aperitif-Alternativen.

Insgesamt zeigt sich: Genuss ist kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis eines sensiblen Zusammenspiels von physiologischen, neurologischen und psychologischen Faktoren – und beginnt oft schon vor dem ersten Bissen.

Quelle: Juravle, Spence et al. (2025), veröffentlicht im International Journal of Gastronomy and Food Science (Vol. 41, Article 101267, DOI: 10.1016/j.ijgfs.2025.101267).

Foto: KI gestützt

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Eine Ärztin im Gespräch mit Patienten
Gesundheit
Eine Ärztin im Gespräch mit Patienten

Die Mehrzahl der Verbraucher/innen geht verantwortungsvoll mit alkoholhaltigen Getränken um und genießt in Maßen. Alkoholhaltige Getränke sind jedoch keine „ganz normalen Nahrungsmittel“. Innerhalb bestimmter Grenzen und Bedingungen ist der Konsum von alkoholhaltigen Getränken gesundheitsverträglich.

Bei Überschreitung bestimmter Grenzen steigen dagegen die Risiken gesundheitlicher Schädigungen. Diese Grenzen hängen auch vom Geschlecht und dem Lebensalter ab. In Verbindung mit bestimmten chronischen Erkrankungen (z. B. Diabetes, Allergien, Migräne) oder Medikamenteneinnahme ergeben sich unter Umständen zusätzliche Risiken. Hier können Sie sich als Verbraucherin oder Verbraucher umfassend informieren über:

Alkohol hat einen Einfluss auf eine Vielzahl von Körperfunktionen. Hier finden Sie weitere Themen, die Ihnen helfen sollen, einen gesundheitsverträglichen, bewussten Umgang mit alkoholhaltigen Getränken zu beherzigen:

Ein Glas mit einem alkoholischen Getränk
Nährwerte
Ein Glas mit einem alkoholischen Getränk

Hier finden Sie Nährwert- und Zutateninformationen über die Spirituosengattungen, die in der EU und in Deutschland angeboten werden. Diese sind alphabetisch aufgeführt von A bis Z. Dabei wird die Kalorienkennzeichnung in der üblichen deutschen Trinkeinheit von 20 ml und daneben in 100 ml dargestellt – ebenso wie eine Zutatenliste, die vollständige Nährwertdeklaration und weitere wichtige Informationen über den Produktionsprozess. Die Datenbank umfasst dabei Mindeststandards für Spirituosen.

Zu den Nährwertangaben

Grafik mit Schriftzug „Consumer Protection“
Verantwortung
Grafik mit Schriftzug „Consumer Protection“

Alkoholhaltige Getränke erfordern ein hohes Maß an Verantwortung beim Hersteller oder Importeur alkoholhaltiger Getränke - im Vertrieb, Marketing und in der Werbung.

Verantwortliches Handeln beinhaltet auch sinnvolle, nachvollziehbare und effektive Selbstregulierungen, die über gesetzliche Regulierungen hinausgehen. So hat sich die Branche der Hersteller und Importeure von alkoholhaltigen Getränken zahlreiche freiwillige Regeln auferlegt, um missbräuchlichem Konsum vorzubeugen:

Darüber hinaus unterstützen verschiedene Präventionsinitiativen des „Arbeitskreises Alkohol und Verantwortung“ des BSI das Ziel, den Jugendschutz konsequent einzuhalten und einem missbräuchlichen Konsum in bestimmten Situationen (Schwangerschaft, Verkehr, Arbeitsplatz) vorzubeugen.

Eine Grupper Menschen sitzt beim Essen zusammen
Gesellschaft
Eine Grupper Menschen sitzt beim Essen zusammen

Alkoholhaltige Getränke sind für unsere Gesellschaft ein traditionsreiches Kulturgut und werden zu unterschiedlichsten Anlässen angeboten. Dabei sollte jeder für sich eine verantwortungsbewusste Entscheidung treffen, ob der Konsum von alkoholhaltigen Getränken in der jeweiligen Situation angemessen ist. Einen Automatismus zum Alkoholkonsum sollte es dagegen nicht geben, denn Genuss ist der bewusste und „besondere“ Moment.

Daher sollte die Gesellschaft einen bewussten Blick auf bestimmte Situationen richten, um problematische Automatismen des Konsums zu hinterfragen und einen verantwortungsvollen Konsum zu fördern:

Eine Sonnenbrille liegt am Strand
Freizeit
Eine Sonnenbrille liegt am Strand

Viele Menschen verbringen ihre Freizeit gerne sehr aktiv. Sie gehen auf Reisen, treiben Sport, bewegen sich gerne in der Natur, gehen ihren Hobbys nach oder sind gerne gesellig beisammen bei den unterschiedlichsten jahreszeitlichen Anlässen. Zum Freizeitverhalten gehören selbstverständlich auch Essen und Trinken dazu. Doch wie kann man einen gesundheitsverträglichen und verantwortungsbewussten Konsum alkoholhaltiger Getränke mit den vielfältigen Freizeitmöglichkeiten verbinden und wo ist vielleicht besser Verzicht angesagt?