Genuss

Im Gespräch mit der Schweizer Spirituosen-Sommerlière Ilona Fässler

Ilona Fässler ist 27 Jahre alt und eine von wenigen Spirituosen-Sommelièren in der Schweiz -  wahrscheinlich auch eine von wenigen in ganz Europa! Beruflich ist Ilona erfolgreich als Produktionsleiterin, Brennmeisterin und Head of Operations bei der größten Bündner Destillerie Kindschi & Söhne AG in Schiers (Schweiz). In der Destillerie werden Bündner Spezialitäten nach traditionellem Handwerk gebrannt und hergestellt. Die junge Lebensmitteltechnologin aus dem Thurgau hebt sich mit ihrem Interesse für die Vielfalt der Destillate ein wenig ab von den Interessen der Gleichaltrigen! Wir wollten von Ilona wissen, warum man/frau Spirituosen-Sommelière wird und was für sie persönlich das richtige Maß für Genuss ist.

Spirituosen-Sommerlière Ilona Fässler

Wie wird man Spirituosen-Sommelière und vor allem warum? Wie passt Du da in die Gruppe Deiner AltersgenossInnen?
Ich reise sehr gerne und habe mich immer für unterschiedliche Kulturen und auch für deren Spirituosen interessiert. In meinem Alter trinken viele eher Mixgetränke, Cocktails oder Bier. In der Schweiz gibt es auch eine Redewendung bei den Partys: „De Völlst, isch de Töllst“. Das war nie mein Motto. Ich würde mich als Genießerin bezeichnen. Ich habe mich schon immer mehr für die Vielfalt der Getränke und die Rohstoffe interessiert. Als ich z. B. in Mexico war, habe ich dort viele unterschiedliche Tequilas degustiert. Und die waren so viel eindrucksvoller und geschmacksintensiver als alles, was ich bisher an Tequila kannte. In Mexico trinkt man Tequila ohne Salz und Zitrone! Dafür trinken die Mexikaner den Tequila auch gerne mit oder sogar im Bier. Solche Erlebnisse haben mich motiviert, mein Wissen über Spirituosen und Kulturen zu vertiefen. Deshalb habe ich beim Fachverband Gastrosuisse in Zürich die Ausbildung zur Spirituosen-Sommelière gemacht. Die Ausbildung war sehr vielfältig und umfasste Themen wie Herstellung, Rohstoffe, Preisgestaltung, Mixen und natürlich auch Essen.

Wie findest Du den Trend zu immer mehr alkoholfreien Produkten, teilweise auch alkoholfreien Spirituosen?
Es ist etwas Gutes, dass es zunehmend viele alkoholfreie Produkte gibt. Wenn ich z. B. mit Freunden ausgehe und jemand möchte oder darf keinen Alkohol trinken, dann sollte es eine möglichst große Auswahl an alkoholfreien Produkten geben. Jeder kann entscheiden, was er trinken möchte. Wir haben bei Kindschi z. B. auch alkoholfreie Produkte im Sortiment. Das gehört heute dazu.

Warum hat eine Spirituosen-Sommelière eine Daseinsberechtigung oder ist das nur eine „Schnaps-Idee“?
Die Spirituosen-Sommelière hat ganz klar eine Daseinsberechtigung, denn die Spirituose hat eine sehr lange Tradition. Heute bekommt man fast überall alle Produkte aus der ganzen Welt. Da ist es wichtig, dass es Experten gibt, die die Produkte kennen und erklären können.

Kann man Spirituosen mit mehr Wissen besser bzw. „richtiger“ genießen?
Grundsätzlich kann jeder genießen, was er will. Es ist nur wichtig, dass man weiß, was einem persönlich gefällt und schmeckt. Da kann ich als Spirituosen-Sommelière beraten, Wissen vermitteln und die Herstellungsprozesse erklären. Ich empfehle auch Tastings, bei denen man verschiedene Spirituosen in kleinen Einheiten probieren kann. Man sollte grundsätzlich offen sein für neue Geschmacksrichtungen und probieren. So findet man seinen persönlichen Geschmack. Bei meiner Arbeit gilt aber „der Profi spuckt, der Laie schluckt“, sonst kann man die unterschiedlichen Geschmacksnoten irgendwann nicht mehr unterscheiden.

Welche Bedingungen sind wichtig für den Genuss, Produktqualität oder das richtige Ambiente?
Für eine gute Spirituose müssen verschiedene Dinge passen: Das Herstellungsverfahren und die Rohstoffe. Und dann muss der Brenner das richtige Händchen haben, um möglichst nah am perfekten reinen Stoff zu sein. Das bedeutet dann auch manchmal weniger Masse und dafür gute Qualität. Aus schlechten Rohstoffen kann man keinen guten Brand erstellen. Wenn der Trester z. B. zu lange liegt und „moderig“ wird, kann daraus kein gutes Trester-Destillat werden. Für den Genuss sind die Qualität und das Ambiente wichtig. Ich persönlich genieße eine gute Spirituose am liebsten mit Freunden. Dann diskutieren wir über Qualität und darüber, was wer herausschmeckt. Das ist immer auch ein wenig Training für mich!

Spirituosen gehören ja traditionell nur an den Anfang (Aperitif) und das Ende einer Mahlzeit (Digestif). Glaubst Du, dass sich Spirituosen als Speisebegleiter etablieren können?
Also ich glaube, dass Spirituosen-Sommerliers hier noch viel bewegen können. In der Schweiz haben wir so genannte „Rum-Dinner“ oder „Gin-Dinner“. Dort werden ausgewählte Speisen mit passenden Spirituosen serviert, z. B. eine Forelle oder ein Räucherlachs mit Bratkartoffeln und einem rauchigen Whiskey dazu, der die Räuchernote vom Lachs unterstreicht. Oder zum Dessert eine Schokomousse mit einem Rum. Tequila passt auch gut zu einem salzigen Salat.  Als Sommelière kann ich erklären und beraten, welche Spirituosen zu den Gerichten passen und welche nicht. Da gibt es aus meiner Sicht noch viele Entwicklungsmöglichkeiten.

Was ist für Dich persönlich das „richtige Maß“ für den Genuss von alkoholhaltigen Getränken?
Ich bleibe meistens bei einer Spirituose am Abend. Ich brauche alkoholhaltige Getränke nicht, um mich zu betrinken. Alkohol ist ein Geschmacksträger, den es braucht, damit ich möglichst viel aus einem Getränk herausschmecken kann. Das macht für mich den eigentlichen Genuss aus und nicht die Wirkung.

Was ist persönlich Dein größter Genuss?
Bei Spirituosen mag ich am liebsten Rum und Obstbrände. Die Vorliebe für Obstbrände liegt wahrscheinlich daran, dass ich aus dem Thurgau komme, das wir in der Schweiz auch „Mostindien“ nennen wegen der großen Apfelanbauflächen. Ansonsten ist es mein größter Genuss, zu reisen! Wenn alles klappt, bin ich im Oktober in Brüssel und freue mich darauf, dort viele neue Genüsse zu entdecken.

Vielen Dank für das Gespräch Ilona und viel Spaß in Brüssel

Gesundheit
Eine Ärztin im Gespräch mit Patienten

Die Mehrzahl der Verbraucher/innen geht verantwortungsvoll mit alkoholhaltigen Getränken um und genießt in Maßen. Alkoholhaltige Getränke sind jedoch keine „ganz normalen Nahrungsmittel“. Innerhalb bestimmter Grenzen und Bedingungen ist der Konsum von alkoholhaltigen Getränken gesundheitsverträglich.

Bei Überschreitung bestimmter Grenzen steigen dagegen die Risiken gesundheitlicher Schädigungen. Diese Grenzen hängen auch vom Geschlecht und dem Lebensalter ab. In Verbindung mit bestimmten chronischen Erkrankungen (z. B. Diabetes, Allergien, Migräne) oder Medikamenteneinnahme ergeben sich unter Umständen zusätzliche Risiken. Hier können Sie sich als Verbraucherin oder Verbraucher umfassend informieren über:

Alkohol hat einen Einfluss auf eine Vielzahl von Körperfunktionen. Hier finden Sie weitere Themen, die Ihnen helfen sollen, einen gesundheitsverträglichen, bewussten Umgang mit alkoholhaltigen Getränken zu beherzigen:

Nährwerte
Ein Glas mit einem alkoholischen Getränk

Hier finden Sie Nährwert- und Zutateninformationen über die Spirituosengattungen, die in der EU und in Deutschland angeboten werden. Diese sind alphabetisch aufgeführt von A bis Z. Dabei wird die Kalorienkennzeichnung in der üblichen deutschen Trinkeinheit von 20 ml und daneben in 100 ml dargestellt – ebenso wie eine Zutatenliste, die vollständige Nährwertdeklaration und weitere wichtige Informationen über den Produktionsprozess. Die Datenbank umfasst dabei Mindeststandards für Spirituosen.

Zu den Nährwertangaben

Verantwortung
Grafik mit Schriftzug „Consumer Protection“

Alkoholhaltige Getränke erfordern ein hohes Maß an Verantwortung beim Hersteller oder Importeur alkoholhaltiger Getränke - im Vertrieb, Marketing und in der Werbung.

Verantwortliches Handeln beinhaltet auch sinnvolle, nachvollziehbare und effektive Selbstregulierungen, die über gesetzliche Regulierungen hinausgehen. So hat sich die Branche der Hersteller und Importeure von alkoholhaltigen Getränken zahlreiche freiwillige Regeln auferlegt, um missbräuchlichem Konsum vorzubeugen:

Darüber hinaus unterstützen verschiedene Präventionsinitiativen des „Arbeitskreises Alkohol und Verantwortung“ des BSI das Ziel, den Jugendschutz konsequent einzuhalten und einem missbräuchlichen Konsum in bestimmten Situationen (Schwangerschaft, Verkehr, Arbeitsplatz) vorzubeugen.

Gesellschaft
Eine Grupper Menschen sitzt beim Essen zusammen

Alkoholhaltige Getränke sind für unsere Gesellschaft ein traditionsreiches Kulturgut und werden zu unterschiedlichsten Anlässen angeboten. Dabei sollte jeder für sich eine verantwortungsbewusste Entscheidung treffen, ob der Konsum von alkoholhaltigen Getränken in der jeweiligen Situation angemessen ist. Einen Automatismus zum Alkoholkonsum sollte es dagegen nicht geben, denn Genuss ist der bewusste und „besondere“ Moment.

Daher sollte die Gesellschaft einen bewussten Blick auf bestimmte Situationen richten, um problematische Automatismen des Konsums zu hinterfragen und einen verantwortungsvollen Konsum zu fördern:

Freizeit
Eine Sonnenbrille liegt am Strand

Viele Menschen verbringen ihre Freizeit gerne sehr aktiv. Sie gehen auf Reisen, treiben Sport, bewegen sich gerne in der Natur, gehen ihren Hobbys nach oder sind gerne gesellig beisammen bei den unterschiedlichsten jahreszeitlichen Anlässen. Zum Freizeitverhalten gehören selbstverständlich auch Essen und Trinken dazu. Doch wie kann man einen gesundheitsverträglichen und verantwortungsbewussten Konsum alkoholhaltiger Getränke mit den vielfältigen Freizeitmöglichkeiten verbinden und wo ist vielleicht besser Verzicht angesagt?

Über uns
Logo massvoll-geniessen.de

Der „Arbeitskreis Alkohol und Verantwortung“ beschäftigt sich als Gremium des BSI mit allen „nicht kommerziellen“ Aufgabenstellungen. Diesen Aktivitäten liegt die Überzeugung zugrunde, dass die Unternehmen der Branche eine aktive Mitverantwortung dafür tragen, dass die Verbraucher mit den Produkten sachgemäß und gesundheitsverträglich umgehen.

Zu den Aktivitäten des „Arbeitskreises Alkohol und Verantwortung“ gehören Präventions-, Aufklärungs- und Informationsmaßnahmen (wie z. B. diese Website) sowie die effektive Selbstregulierung der Mitgliedsunternehmen des Bundesverbandes der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure e. V.

Indirekt unterstützen alle Mitgliedsunternehmen des BSI den „Arbeitskreis Alkohol und Verantwortung“, dessen Arbeit von einer Vielzahl neutraler Wissenschaftler und Experten begleitet wird. Dieser setzt sich aus Medizinern, Psychologen und Pädagogen zusammen, welche die Inhalte der Aktivitäten unabhängig prüfen und mitgestalten.