Wie Alkoholkonsum an Urlaubs- und Feiertagen das Herz belasten kann
Was ist das Holiday-Heart-Syndrom?
Das Holiday-Heart-Syndrom (HHS) beschreibt eine spezifische Herzrhythmusstörung, die nach übermäßigem Alkoholkonsum auftreten kann. Es handelt sich dabei insbesondere um „Vorhofflimmern“, eine Form der Herzrhythmusstörung, bei der das Herz unregelmäßig und sehr schnell schlägt. Der Begriff Holiday-Heart-Syndrom wurde erstmals in den späten 1970er Jahren verwendet, um das Phänomen zu beschreiben, dass ansonsten gesunde junge Menschen nach Urlaubs- und Feiertagen, nach dem Wochenende oder nach ausgedehnten Partys wegen Herzrhythmusstörungen im Krankenhaus behandelt werden mussten, obwohl der Alkoholkonsum teilweise schon bis zu zwei Tage zurück lag.
Aktuelle Forschungsergebnisse der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München unterstreichen diese Effekte und zeigen, dass exzessiver Alkoholkonsum auch bei jungen, gesunden Menschen zu klinisch relevanten Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern führen kann. In der größten Studie ihrer Art überwachten die Wissenschaftler 202 Feiernde (Durchschnittalter ca. 30 Jahre). Während des Alkoholkonsums stieg die Herzfrequenz und lag nach vier Stunden noch immer bei ca. 97 Schlägen pro Minute. Bei über 5 % der Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer konnten im EKG vorübergehende Herzrhythmusstörungen, bei einigen auch Vorhofflimmern, nachgewiesen werden. Insbesondere während der Erholungsphase nach dem Konsum traten „Arrhythmien“ (Unregelmäßigkeiten) auf, die sich in einigen Fällen als klinisch relevant erwiesen.
Diese Ergebnisse unterstreichen die Risiken von episodischem, exzessivem Alkoholkonsum für das Herz auch bei vermeintlich jungen, gesunden Personen.
Warum tritt das Holiday-Heart-Syndrom gerade an Feiertagen und in der Urlaubszeit gehäuft auf?
Das Holiday-Heart-Syndrom tritt gehäuft an und nach Feiertagen oder im Urlaub auf, weil viele Menschen während dieser Zeit ihre Lebensgewohnheiten ändern. Hoher Alkoholkonsum, übermäßiges Essen und erhöhter Stress sind typische Auslöser. Alkohol hat eine direkte Wirkung auf das Herz, indem er die elektrische Leitung im Herzen beeinflusst und so zu Vorhofflimmern führen kann. Nächte durchfeiern zieht Schlafmangel nach sich, und Schlafmangel bedeutet wiederum Stress für den Körper. Schlafmangel und Stress tragen ebenfalls zur Entstehung des Syndroms bei, da sie das autonome Nervensystem belasten und das Risiko für Herzrhythmusstörungen zusätzlich erhöhen. Die Kombination dieser Faktoren kann an Wochenenden, Feiertagen oder im Urlaub ausgeprägt sein.
Welche Symptome deuten auf das Syndrom hin?
Die häufigsten Symptome des Holiday-Heart-Syndroms sind Herzklopfen, ein unregelmäßiger Herzschlag und Schwindel. Betroffene können auch Brustschmerzen, Atemnot oder Müdigkeit verspüren. In einigen Fällen bleibt das Vorhofflimmern asymptomatisch und wird nur durch Zufall entdeckt. Die Symptome treten in der Regel plötzlich auf und können von wenigen Stunden bis zu mehreren Tagen anhalten. Da ähnliche Symptome auch bei anderen ernsteren Herzerkrankungen auftreten können, ist es wichtig, frühzeitig einen Arzt aufzusuchen, um eine genaue Diagnose zu stellen.
Wer ist besonders gefährdet, und warum?
Menschen, die punktuell große Mengen Alkohol zu sich nehmen, in Kombination mit wenig Schlaf und veränderten Lebensgewohnheiten, sind besonders gefährdet, das Holiday-Heart-Syndrom zu entwickeln. Zudem sind Personen mit bereits bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder anderen Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder Übergewicht anfälliger. Stress und Schlafmangel können das Risiko weiter erhöhen. Besonders gefährdet sind zudem Männer mittleren Alters, da bei ihnen statistisch gesehen sowohl der Alkoholkonsum als auch das Risiko für Vorhofflimmern höher sind. Selbst Menschen ohne bekannte Herzprobleme können betroffen sein, wenn sie bei einem Anlass übermäßig viel trinken oder ihre Lebensgewohnheiten ändern.
Wie können Sie sich während der Feiertage schützen?
Die beste Vorbeugung gegen das Holiday-Heart-Syndrom ist, während der Feiertage maßvoll zu genießen und nicht in „Feierstress“ zu verfallen. Dazu gehört ein maßvoller Alkoholkonsum, ausgewogene Ernährung und ausreichend Schlaf und Bewegung. Besonders wichtig ist es, auf übermäßigen Alkoholkonsum zu verzichten und genügend Wasser zu trinken. Regelmäßige körperliche Aktivität kann ebenfalls helfen, das Herz-Kreislauf-System zu stärken und Stress abzubauen. Menschen mit bestehenden Herzerkrankungen sollten besonders vorsichtig sein und vor den Feiertagen mit ihrem Arzt sprechen, um individuelle Ratschläge zu erhalten.
Was tun, wenn das Holiday-Heart-Syndrom auftritt?
Wer Symptome des Holiday-Heart-Syndroms bei sich beobachtet, sollte diese umgehend ärztlich abklären lassen. Der Arzt kann eine genaue Diagnose stellen und entscheiden, ob eine medikamentöse Behandlung oder weitere Maßnahmen notwendig sind. In den meisten Fällen normalisiert sich der Herzrhythmus innerhalb von 24 Stunden, wenn die Auslöser nicht mehr vorhanden sind. In schweren Fällen oder bei anhaltendem Vorhofflimmern kann jedoch eine spezielle Therapie notwendig sein.