Informationen und Aufklärung für Verbraucherinnen und
Verbraucher zum Thema alkoholhaltige Getränke.

Verantwortung von Anfang an - Verzicht auf alkoholhaltige Getränke gilt auch für stillende Mütter

Gut 90 Prozent aller schwangeren Frauen in Deutschland haben die Absicht, nach der Geburt zu stillen. Muttermilch liefert nicht nur die notwendigen Nährstoffe für das Wachstum des Kindes und schützt vor Erkrankungen, das Stillen fördert auch die emotionale Bindung zwischen Mutter und Kind. Die Empfehlung, auf alkoholhaltige Getränke zu verzichten, um die Gesundheit des Kindes nicht zu gefährden, bezieht sich nicht nur auf die Dauer der Schwangerschaft, sondern auch auf die gesamte Stillzeit. Denn auch in der Stillzeit kann der Alkoholkonsum der Mutter die Entwicklung des Kindes negativ beeinträchtigen.

Alkoholhaltige Getränke, die von der Mutter konsumiert würden, können das Kind in der Schwangerschaft wie auch in der Stillzeit schädigen1, denn die Alkoholkonzentration in der Muttermilch entspricht der Alkoholkonzentration im Blut. Der Alkohol gelangt somit beim Stillen über die Muttermilch direkt in den Körper des Säuglings. Da die Organe des Säuglings, speziell die Leber, noch nicht vollständig ausgebildet sind, können sie den Alkohol nur langsam abbauen. Das Herz des Säuglings muss schneller schlagen, um die Belastung, die durch den Abbau des Alkohol entsteht, auszugleichen. Dies stellt einen zusätzlichen Kraftaufwand für den kleinen Körper dar. 

Wie eine Studie aus Mexiko gezeigt hat2, kann der Einfluss alkoholhaltiger Getränke während der Stillzeit eine Verzögerung des Wachstums beim Säugling hervorrufen. Kinder von Müttern, die mehr als 10 g reinen Alkohol (entsprechend ungefähr einem Glas Wein mit 0,1 l) pro Tag aufgenommen hatten, wiesen verzögerte Gewichts- und Größenzunahmen auf. Darüber hinaus konnten Störungen bei der Organausbildung sowie eine verringerte motorische Entwicklung bei den Säuglingen festgestellt werden. 

Der Konsum alkoholhaltiger Getränke durch die Mutter kann beim Säugling die Entwicklung des Nervensystems beeinträchtigen. Einzelne Nervenverbindungen zwischen den Nervenzellen können sich nicht richtig ausbilden und bereits vorhandene Nervenzellen können absterben. Weitere Studien zeigen Veränderungen des Schlafverhaltens bei Säuglingen nach der Alkoholaufnahme über die Muttermilch. Bereits ab dem Konsum von 12 g reinen Alkohol pro Tag durch die Mutter wurden bei den betroffenen Säuglingen kürzere ruhige Schlafphasen festgestellt. Dafür verlängerten sich die Wach- und Schreiphasen, die Kinder schreckten häufiger auf und waren stärker reizbar.3

„Auch die Wirkung des Alkohols überträgt sich auf das Kind. Ähnlich wie bei Erwachsenen nehmen auch beim Kind die Konzentrationsfähigkeit sowie die Reflexe ab. Beim Säugling wird dabei der Such-, Saug- und Schluckreflex verlangsamt, wodurch die Milchaufnahme erschwert wird“, erklärt Dr. Reinhold Feldmann, Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Münster und FAS-Ambulanz der Tagesklinik Waldstedde.

Bereits geringe Mengen Alkohol können außerdem bei der Mutter die Ausschüttung von bestimmten Hormonen beeinflussen. Entgegen der Fehlannahme, dass Alkohol das Stillen durch die Entspannung der Mutter erleichtern würde, belegt eine aktuelle Studie, dass der Konsum alkoholhaltiger Getränke das Wechselspiel der Hormone Oxytocin und Prolaktin, die für das Stillen verantwortlich sind, negativ beeinflusst.Vor allem das Hormon Oxytocin sinkt durch den Alkoholeinfluss, wodurch weniger Milch produziert wird. Bei einer Alkoholaufnahme von 0,3 g Alkohol pro kg Körpergewicht (bei einer Frau mit einem Körpergewicht von 60 kg wären dies entsprechend 18 g Alkohol; Grenzwerte für einen risikoarmen Konsum finden Sie hier) wurde eine Verminderung des Milchvolumens um 20 Prozent innerhalb der ersten vier Stunden nach Alkoholkonsum festgestellt. Auch eine Verzögerung des Milchflusses bis hin zu einer totalen Blockade des Michspendereflexes können die Folgen sein.

Stillende Mütter sollten daher folgende Tipps beherzigen:

  • Ein sicherer Grenzwert für einen Blutalkoholwert der Mutter, der nachweislich für die Gesundheit des Kindes unbedenklich und folgenlos wäre, lässt sich aus den bisherigen Studien und wissenschaftlichen Daten nicht ableiten. Verzichten Sie daher während der Stillzeit konsequent auf den Konsum von alkoholhaltigen Getränken. Da sich die verschiedenen alkoholhaltigen Getränke nicht in ihrer Wirkung unterscheiden, gilt diese Verzichtempfehlung für alle alkoholhaltigen Getränke.
  • Informieren Sie Ihre Familie und Ihre Freunde darüber, dass sie während der Stillzeit keine alkoholhaltigen Getränke zu sich nehmen möchten. So kann Ihr Umfeld Rücksicht nehmen und Sie in Ihrem Vorhaben unterstützen.
  • Besprechen Sie mit Ihrem Partner die Risiken des Alkoholkonsums während der Stillzeit und treffen Sie die Vereinbarung, gemeinsam während der Zeit des Stillens auf Alkohol zu verzichten.
  • Bei Fragen oder Unsicherheiten vor oder während der Stillzeit können sich Mütter direkt an den betreuenden Arzt wenden.

Weitere Tipps und Informationen für Schwangere und stillende Mütter finden Sie hier sowie auf der Homepage der Initiative „Verantwortung von Anfang an“ des „Arbeitskreises Alkohol und Verantwortung“ des Bundesverbandes der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure e. V. (BSI).

Quellen:

1Feldmann R. Das Fetale Alkoholsyndrom. Diagnostik und Hilfen für Patient und Familie. Pädiatrische Praxis, 2012, 79, 439-454.

2Backstrand JR, Goodmann AH, Allen LH, Pelto GH. Pulque intake during pregnancy and lactation in rural Mexiko: alcohol and child growth from 1 to 57 months. European Journal of Clinical Nutrition, 2004, 58, 1626-1634.

3Schwegler U et. al. Alkohol in der Stillzeit - Eine Risikobewertung unter Berücksichtigung der Stillförderung. Berlin, BfR-Wissenschaft, 07/2012.

4Mennella J, Pepino M, Treff K. Acute alcohol consumption disrupts the hormonal milleu of lactating women. Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism, 2005, 90, 1979-1985.

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